Kurz gesagt
Die Ordnung SIA 142 regelt Architektur- und Ingenieurwettbewerbe in der Schweiz. Sie garantiert Anonymität, eine mehrheitlich fachkundige Jury und eine Preissumme; die Bauherrschaft verpflichtet sich im Gegenzug, das Siegerteam mit der Weiterbearbeitung zu beauftragen.
Weshalb die Schweiz Wettbewerbe liebt
Kaum ein Land schreibt so viele Architekturwettbewerbe aus wie die Schweiz. Schulhäuser, Wohnsiedlungen, Spitäler, Bahnhöfe: Wo die öffentliche Hand baut, entscheidet in der Regel eine Jury über das beste Projekt. Grundlage ist die Ordnung SIA 142 für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe, ergänzt durch die Ordnung SIA 143 für Studienaufträge.
Die Verfahrensarten
Der offene Wettbewerb steht allen Teilnahmeberechtigten offen und bringt regelmässig unbekannte Büros nach vorn. Der selektive Wettbewerb setzt eine Präqualifikation voraus, bei der eine begrenzte Zahl von Teams aufgrund von Referenzen ausgewählt wird. Der Einladungswettbewerb ist nur bei kleineren Aufgaben oder privaten Bauherrschaften üblich. Daneben gibt es zweistufige Verfahren, in denen die erste Stufe Ideen sammelt und die zweite Stufe ausgewählte Teams vertieft arbeiten lässt.
Was SIA 142 garantiert
Drei Grundsätze machen das Verfahren fair: Anonymität der Eingaben bis zum Juryentscheid, eine Jury, die mehrheitlich aus unabhängigen Fachleuten besteht, und eine angemessene Preissumme. Im Gegenzug verpflichtet sich die Bauherrschaft, das siegreiche Team mit der Weiterbearbeitung zu beauftragen, sofern keine wichtigen Gründe dagegensprechen. Die Kommission SIA 142/143 prüft Programme auf Konformität und vergibt bei Übereinstimmung ihr Konformitätslabel.
Der Ablauf im Überblick
- Programm: Die Bauherrschaft definiert Aufgabe, Perimeter, Raumprogramm, Jury und Beurteilungskriterien.
- Fragenbeantwortung: Alle Teams erhalten dieselben Antworten, meist über eine Plattform.
- Eingabe: Pläne, Modell und Erläuterungen werden anonym mit Kennwort eingereicht.
- Vorprüfung: Experten prüfen Vollständigkeit, Kosten und Einhaltung der Vorschriften.
- Jurierung: Die Jury beurteilt in mehreren Rundgängen und verfasst einen Jurybericht.
- Ausstellung: Alle Projekte werden öffentlich gezeigt – ein Stück Baukultur-Vermittlung.
Kritik und Entwicklung
Diskutiert werden der hohe Aufwand für die Teams, die wachsende Zahl von Studienaufträgen auf Kosten offener Wettbewerbe und die Frage, wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in Beurteilungskriterien abgebildet werden. Der SIA überarbeitet seine Wegleitungen regelmässig, damit das Verfahren den Anforderungen von heute entspricht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wettbewerb und Studienauftrag?
Im Wettbewerb nach SIA 142 bleiben die Teilnehmenden anonym, bis die Jury entschieden hat. Im Studienauftrag nach SIA 143 ist der Dialog zwischen Bauherrschaft und Teams ausdrücklich vorgesehen, was sich bei komplexen Aufgaben mit vielen Unbekannten eignet.
Wer darf an einem offenen Wettbewerb teilnehmen?
Alle, die die im Programm definierten Teilnahmebedingungen erfüllen, meist ein anerkannter Hochschulabschluss in Architektur oder ein Eintrag im Register REG A/B. Bei öffentlichen Auftraggebern gelten zusätzlich die Regeln des Beschaffungsrechts.
Wie hoch ist die Preissumme?
Die Gesamtpreissumme richtet sich nach der Bausumme und dem Aufwand der verlangten Leistungen; die SIA-Wegleitung zur Preissummenberechnung liefert eine Formel. Die Summe wird auf Preise und Ankäufe verteilt.
Quellen
- SIA – Ordnungen 142 und 143 – SIA
- Konkurado – Wettbewerbsplattform – Konkurado
Veröffentlicht 31. Okt. 2026, 21:26. Fehler gefunden? Redaktion kontaktieren.