Kurz gesagt

Zirkuläres Bauen bedeutet, Bauteile und Materialien wiederzuverwenden statt zu entsorgen. In der Schweiz entstehen dafür Bauteilbörsen, Rückbau-Inventare und Normen wie das SIA-Merkblatt 2032 zur grauen Energie; Pionierprojekte wie das Kopfbau K.118 in Winterthur zeigen, dass es funktioniert.

Gebäude als Materiallager

Jedes Jahr fallen in der Schweiz Millionen Tonnen Bauabfälle an. Ein grosser Teil davon wird zwar rezykliert, aber meist zu minderwertigem Material: Beton wird zu Kies, Holz zu Energie. Die Kreislaufwirtschaft denkt einen Schritt weiter. Bauteile sollen als Ganzes erhalten bleiben – das Fenster bleibt ein Fenster, der Stahlträger ein Träger.

Pioniere in Winterthur und anderswo

Das Kopfbau-Projekt K.118 auf dem Sulzerareal in Winterthur hat gezeigt, wie das geht. Treppen, Fassadenteile, Stahlkonstruktion und Fenster stammen aus Rückbauten in der ganzen Schweiz. Der Entwurf folgte dem Material, nicht umgekehrt: Zuerst wurde inventarisiert, was verfügbar war, dann wurde entworfen. Seither sind Bauteilbörsen, Rückbau-Beratungen und spezialisierte Planungsbüros entstanden.

Die Werkzeuge der Planenden

  • Rückbau-Inventar: Bevor abgebrochen wird, werden Bauteile erfasst, bewertet und für die Wiederverwendung vorbereitet.
  • Bauteilbörsen: Plattformen vermitteln gebrauchte Elemente zwischen Rückbau und Neubau.
  • SIA 2032 und 2040: Die Merkblätter zur grauen Energie und zum Effizienzpfad Energie machen den Nutzen bilanzierbar.
  • Design for Disassembly: Lösbare Verbindungen, sortenreine Materialien und dokumentierte Konstruktionen sichern den nächsten Zyklus.

Hürden

Die grössten Hindernisse sind Logistik, Haftungsfragen und Zeit. Wiederverwendete Bauteile müssen zwischengelagert, geprüft und oft aufbereitet werden. Normen und Versicherungen sind auf Neuware ausgerichtet. Und ein Entwurf, der mit vorhandenen Teilen arbeitet, verlangt Flexibilität von Bauherrschaft und Behörden.

Perspektive

Mit dem Ziel Netto-Null 2050 und steigenden Entsorgungskosten gewinnt zirkuläres Bauen an Gewicht. Wer heute rückbaubar konstruiert und Materialpässe anlegt, baut das Lager für die Projekte von morgen.

Häufige Fragen

Ist wiederverwendetes Material baurechtlich zugelassen?

Grundsätzlich ja, wenn die Eignung nachgewiesen wird. Tragende Bauteile brauchen eine statische Beurteilung, Fenster und Haustechnik müssen die heutigen Anforderungen an Energie und Sicherheit erfüllen oder im Nachweis entsprechend berücksichtigt werden.

Lohnt sich Re-Use finanziell?

Bei Bauteilen mit hohem Materialwert wie Stahlträgern, Fassadenelementen oder Natursteinböden häufig ja. Der Mehraufwand liegt in Logistik und Planung, die Ersparnis in Materialkosten und Entsorgungsgebühren.

Quellen

  1. Bundesamt für Umwelt BAFU – Bauabfälle – BAFU
  2. baubüro in situ – Projekt K.118 – baubüro in situ

Veröffentlicht 29. Okt. 2026, 21:26. Fehler gefunden? Redaktion kontaktieren.