Kurz gesagt

Das Raumplanungsgesetz (RPG 1, in Kraft seit 2014) verpflichtet Kantone und Gemeinden zur Siedlungsentwicklung nach innen: Bauzonen dürfen nur noch für den Bedarf von 15 Jahren ausgeschieden werden, und Verdichtung hat Vorrang vor Einzonungen.

Der Auftrag des Gesetzes

Als die Stimmbevölkerung 2013 die Revision des Raumplanungsgesetzes annahm, war die Botschaft klar: Die Schweiz soll nicht weiter in die Fläche wachsen. Seit 2014 begrenzt das RPG die Bauzonen auf den voraussichtlichen Bedarf der nächsten 15 Jahre, verlangt die Rückzonung überdimensionierter Bauzonen und führt eine Mehrwertabgabe von mindestens 20 Prozent auf Einzonungen ein. Die Kantone haben ihre Richtpläne angepasst – nun entscheidet sich in den Gemeinden, wie Verdichtung konkret aussieht.

Verdichten heisst entwerfen

Innenentwicklung ist keine Rechenaufgabe mit Ausnützungsziffern. Wer ein Quartier verdichtet, verändert Strassenräume, Freiflächen, Nachbarschaften und Ortsbilder. Erfolgreiche Beispiele zeigen: Die Qualität entsteht, wenn Freiraum, Erdgeschossnutzung, Schulwege und Mobilität zusammen mit der Bebauung geplant werden. Testplanungen und Studienaufträge sind deshalb zum Standard geworden, bevor Gestaltungspläne festgesetzt werden.

Konflikte zwischen Schutz und Verdichtung

Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS), der Lärmschutz und die Denkmalpflege setzen der Verdichtung Grenzen. Gerichte haben mehrfach klargemacht, dass Ortsbildschutz und Innenentwicklung gegeneinander abzuwägen sind. Für Planende bedeutet das: Früh mit Fachstellen sprechen, Bestand analysieren und Verdichtung dort suchen, wo sie dem Quartier nützt.

Werkzeuge für Gemeinden

  • Richt- und Nutzungsplanung mit differenzierten Zonen und Höhenstaffelungen
  • Gestaltungspläne und Arealüberbauungen für grosse Transformationen
  • Mehrwertabgabe als Finanzierungsquelle für Parks, Schulen und Plätze
  • Partizipation, damit Verdichtung politisch getragen wird

Fazit

Die Schweiz hat die gesetzlichen Grundlagen für Innenentwicklung. Ob sie gelingt, hängt von Entwurfsqualität, Prozessen und dem Willen ab, Bestehendes weiterzubauen statt zu ersetzen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Siedlungsentwicklung nach innen?

Bestehende Siedlungsgebiete werden besser genutzt, bevor neues Land eingezont wird: durch Aufstockungen, Ersatzneubauten, Umnutzung von Industriearealen und höhere Ausnützung an gut erschlossenen Lagen.

Welche Instrumente haben Gemeinden?

Nutzungsplanung mit Ausnützungsziffern, Sondernutzungs- oder Gestaltungspläne für grössere Areale, Testplanungen und Masterpläne sowie die Mehrwertabgabe zur Finanzierung von Freiraum und Infrastruktur.

Quellen

  1. Bundesamt für Raumentwicklung ARE – Raumplanungsgesetz – ARE
  2. EspaceSuisse – Verband für Raumplanung – EspaceSuisse

Veröffentlicht 30. Okt. 2026, 21:26. Fehler gefunden? Redaktion kontaktieren.